Ich schlage mal einen Bogen zurück zu einem älteren Artikel von mir (und klatsch mir für das Wortspiel mal selbst auf die Schulter), darin ging es um die Duftwelt von Shanghai und deren regenbogener Färbung (inklusive Kackbraun), diese Woche erfuhr ich den Grund für den Leichen- / uralten Gammelfleischgeruch. "Chou Doufu" (stinkender Tofu) - heute auch gegessen - schmeckt wie Stinkerkäse mit knuspriger Hülle mit Sambal Olek - kann man essen - riechenswert ist es definitiv nicht, die Erklärung des Geruchs macht Shanghai jetzt noch schöner, weil keine Leichen oder Gammelfleischprodukte (übrigens auch neu im Duden) verkauft werden bzw. rumliegen. Braun im Sinne der Gesinnung (nochmal Schulterklopf) war bestimmt auch der Mexikaner auf unserer Halloweenparty mit der Hitlermaske - mindestens jedoch politisch desinformiert oder desorientiert oder beides. Halloween ist ja ein amerikanisches Volksfest und wird in Deutschland und in China nicht zelebriert, also bis auf Disko- oder Mottoparties. Hier haben wir beschlossen an einer Halloweenparty teilzunehmen, in einem Hotel am Shanghaier People Square im 64. Stockwerk mit Rundumblick auf die Skyline, für 10 Euro All-You-Can-Drink und geschmissen von Studenten von den Philippinen und aus Japan. Michel und ich gingen als Feen (ganz in Rosa) mit Zauberstab (nein, so einen mit einem Stern drauf), Federboa, Hawaiirock und Strümpfen plus angeklebten Pornobalken (Schnauzbart für Jugendslangvermeider). Im Endeffeckt sahen wir aus wie 2 männliche, mexikanische Bewerber auf den Job als Pirat, die aber dann in die Travestie/Wünscheerfüllabteilung versetzt worden sind - quasi supercool. An dem Abend merkten wir schnell, dass dieser Abend unser Abend sein wird (viele Abende in einem Satz - so hat sich die Party im Nachhinein auch angefühlt), denn auch in der zufälligen "How I Met Your Mother" Folge war Halloween das Thema. DAS Thema waren wir dann auch in ganz Shanghai, denn wir beschlossen mit der U-Bahn zur Party zu fahren und in der am stärksten frequentierten Station Shanghais auszusteigen, nicht weil wir das unbedingt wollten, sonder weil es der ökonomischste, günstigste, schnellste und witzigste Weg zur Party war. In der U-Bahn befanden wir uns in einem Blick und Fotogefecht wieder, das Shanghai und China noch nicht gesehen hat. Jeder der ein Handy sein Eigen nannte, zückte ebenjenes und fotografierte die Feen, ganz Mutige fotografierten sich sogar mit uns. Am People Square war dann die Hölle los, alle wollten sich mit uns fotografieren - unglaublich - 2 Leute im Schlepptau ging es dann auf zur Party, nicht ohne Vorher noch in der Hotellobby (5-Sterne-Hotel) für heitere Stimmung zu sorgen. Die Party war der Hammer, in anderen Teilen der Welt würde man allein für die Aussicht 100 Euro bezahlen. Es gab dutzende hübsche verkleidete Mädels, betrunkene Asiaten, witzige Kostüme und Stimmung en masse. Unvergesslich. Gestern dann noch eine Kung-Fu-Show, die sich aber als Einzelgespräch mit dem Lehrer entpuppte und in der ich einen Handstand auf Fäusten auf Steinplatten machte und wir 2 Stunden sehr angeregt über Kampfkünste und -sport sprachen und nebenbei Tee in einem wundervollen Ambiente genossen. Im Moment denke ich über eine Karriere als Lehrer nach, ein Talent wurde mir desöfteren zugesprochen, nur weiß ich noch nicht für was... (aber ganz wahrscheinlich in Shanghai) Kindergärtner (große Gruppe) würde auch gehen oder PR für eine Klamotten- oder Lifestylefirma. Vorschläge, Angebote etc. bitte an mich! Zum bloggen komme ich leider nicht soooooo oft, ich versuche aber wöchentlich einen längeren Text wie diesen zu bringen, denn bald sind auch Zwischenprüfungen und in China heißt das Auswendiglernen, was ich überhaupt nicht mag - aber da muss ich durch.
Liebe Grüße eure Teilzeitfee Björn