Ich hatte die Wahl. Zuhause (also genau genommen bei der Familie in Dörfel) lecker Grillgut zu genießen, Bier, Schnaps, Kuchen, Spaß etc. oder zum Hell On Earth. Dank meines unglaublichen Organisationstalentes, hatte ich beinahe erste Möglichkeit vergessen. Ich wählte also nicht A, nicht B sondern "was zum Naschen" (also einen Mittelweg), das heißt Geburtstag der Mama bis Kuchen mitnehmen, dann von Musch abholen lassen und ab nach Dresden. Dank der Erinnerung des Vorjahres war ich hochmotiviert und gespannt.

2007 herrschte in der Reithalle in Dresden eine elektrische Atmosphäre, von der ersten Band an, man spürte etwas ist in der Luft, jede Band wurde abgefeiert und alles entlud sich in einer Emotionswolke die bei "Revival Never Goes Out Of Style" von "Walls Of Jericho" und dem zugehörigen SingSang explodierte. Menschenmassen vor und auf der Bühne, die Halle sang, die Bühne nur noch rudimentär als solche erkennbar. Stagediver noch und nöcher und eine sagenhafte Gänsehautstimmung. Candace, die Frontröhre Walls Of Jerichos, brach in Tränen aus und die Zugabe bleibt unvergessen in den Herzen und Ohren aller Teilnehmer und mir.

In mäßiger Handyqualität kann man diesen Augenblick hier sehen.

2008 - Hell On Earth (Dresden - Eventwerk)

Flyer - Hell On Earth 2008

Die Fahrt war angenehm und wir waren ziemlich schnell am Ziel. Schwarzenberg - Dresden in 1 1/2 Stunden, 3 Bier, 2 Cheesburgern. Eventwerk und Parkfläche - erfolgreich gefunden. Die Konzertkarte des verhinderten Kumpels verlustmindernd an einen freudigen Besucher zu 15 € verkauft und rein zu "Stick To Your Guns". Die Jungs spielen Musik genau nach meinem Geschmack und spielten und hüpften sich die Seele aus dem Leib. Bei mir war zwecks Tattooheilung Tanzverzicht angesagt, obwohl es total gekribbelt hat in den Pit zu springen. Das Publikum sah nach Fans der Mainacts aus und hielt sich bei STYG meiner Meinung nach sehr zurück. Der Sound war Gitarrentechnisch schwammig, die Bandleistung aber mehr als solide und ich hätte mir diese tolle Band später im Programm gewünscht (zum Sound später mehr). "Animosity" (mir gänzlich unbekannt) boten den mit Abstand schlechtesten Auftritt des Abends, der völlig unklare Breisound tat sein übriges und die 35min. zogen sich hin. Ich hoffe die Band hört sich auf Platte besser an, Stimmung kam derweil keine auf und das Publikum schien mir zu verhalten, kein richtiger Circlepit, kaum Reaktion auf Ansagen. Ich frage mich dann immer liegt das daran, dass jetzt bei Jubel das Limp-Bizkit-Gedächtniskäppi oder die Emofrisur verrutscht oder an mangelnden Englischkenntnissen? Es konnte hier aber auch am Sound liegen. Die Band hat sich aber bewegt und versucht Stimmung zu machen. "The Red Chord" finde ich persönlich nicht so gut, boten aber eine solide Show, mit demselben breiigen, blechernen Sound. Die Ansagen wurden scheinbar wieder nicht verstanden oder gekonnt irgnoriert, da halfen auch die "Assholes" und "Fuckers" Animation des Fronters nicht. Mit "Antman" schloss man ein solides, mir nicht gefallendes Set mit schlechtem Sound nach leicht überzogener Zeit ab. Die Schweizer "Cataract" waren dann die drittbeste Band des Abends, dank der zahlreichen Moshparts (die nicht oder kaum genutzt worden) fiel der schlechte Sound nicht ganz so auf, wie bei den Bands davor. Man knüppelte sich gut durch das Set und nur der Sänger zeigte etwas wenig Bewegung. Scheinbar verstand man dafür die Ansagen des Frontmannes, denn ab und an hoben einige als Lebenszeichen die Hände oder bewegten sich munter im Kreis. Cataract machen Spaß und öffnen den trüben Horizont des Abends erstmalig. "Evergreen Terrace" mit lustigem (Entschuldigung - man könnte meinen geschlechtsfreien) Sänger betraten die Bühne. Ich mag die Band sehr und sie spielten sich vom ersten Song an, den Arsch ab. Der Sound verdarb mir aber den Spaß und der Fehler lag nicht bei der Band. Ich also, nachdem ich mir bei allen mitgereisten Kumpels Bestätigung des "Scheißsounds" geholt habe, ab zum Soundmann an's Hallenende. Per Handzeichen versuchte ich ihm beizubringen welcher Soundbrei in der Mitte der Halle ankommt. Ich kannte den Sound vom WithFullForce, dort rockten Evergreen Terrce nahezu ohnegleichen und alles klang fett und glasklar. Meine stummen Handzeichen kamen scheinbar nicht an und ich lief schon zur Mitte zurück, als mich ein netter Typ darauf aufmerksam machte, dass der Soundmann mich gern hören möchte. Ich erklärte der Gitarrist (welcher auch singt) sei viel zu leise und dieser machte dies auch schon mehrfach handzeichentechnisch deutlich und das ich die Gitarren nur sehr schwer (einzeln) ausmachen konnte. Er wies mich auf die Location hin, eine Blechbedeckte, scheinbar zu hohe Halle und bemühte sich den Sund zu verbessern, er tat wahrscheinlich sein Möglichstes und es wurde ein/zwei Ecken besser, doch der Sound blieb, außer bei klar akzentuierte Breakdowns, schlecht. Hinten am Mischpult bot sich auch ein besseres Soundbild und vielleicht auch in den hohen Rängen, ich rede aber von dem "Hauptplatz" vor der Bühne. Trotzdem boten die Jungs von Evergreen Terrace eine superenergiegeladen und spannende Show und die ersten Crowdsurfer waren auszumachen. Ich wäre auch im Pit gelandet und ein paar mal gedivt, das Publikum blieb aber (ich habe das Vorjahr immernoch als Vergleich) zu ruhig, zu abwartend und zu emotionsarm. Schade. 23 Uhr - "Walls Of Jericho" Das Intro läuft und die Höhen schmerzen immernoch im Ohr, die Band beginnt zu spielen und der Sound hat sich um Längen verbessert, vielleicht liegt das an der "groovigeren" Spielweise oder an besserer Abstimmung oder an "was weiß ich denn", auf jeden Fall eine arge Verbesserung, auch wenn bis zu vorletzten Lied eine Gitarre fehlt, nicht auf der Bühne sondern im Gehörgang der Besucher, vielleicht aber auch nur bei mir, was ich nicht glaube... Die Gruppe um Candace Kucsulain bot den mit Abstand besten Sound des Abends und die energiegeladenste Show. Auf einmal bewegte sich auch die Hälfte der Halle, mal im Kreis, dann moshend, dann (aber wirklich selten) auch einmal von Boxen springend und ab und an ein Wellenbad nehmend. Bei "Walls Of Jericho" reagierte man auch auf die Ansagen. Das Publikum schien trotzdem schwierig und ich weiß nicht woran es lag, an der Spielfreude der Bands sicher nicht, wenn man mich fragt - am Sound (keine Ahnnung, vielleicht hätte man die Decke abhängen sollen, im Werk II in Leipzig, bekommt man bei ähnlicher Location jedenfalls einen grandiosen Sound hin). Der Auftritt war hochklassig professionell, energiegeladen und bot eine gut-gemischte Songauswahl, auch der SinSang der Zugabe hallte wieder durch die Halle, doch die Gänsehaut kam nicht auf, dafür ein trotzdem gerettetes Konzertgefühl. Walls Of Jericho suchen Live ihresgleichen und ich weiß nicht wem ich die Schuld an diesem durchschnittlichen Konzertabend geben kann. Mich hat es nur bei 3 Bands in den Pit gezogen, ich wollte aber nicht, vielleicht ging es auch anderen so und vielleicht lag es am Sound, die Stimmung im Publikum fehlte bei 5 Bands des Abends, nächstes Jahr überlege ich ob Möglichkeit A oder B, C eher nicht...

Hell On Earth 2008 Dresden