In einem meiner Shanghaier Artikel schrieb ich von dem dubiosen Filmcasting, ich war ja auserwählt, jetzt schlag ich mal den Bogen zurück. Versprochen wurden (einer Freundin von mir) 1500 Yuen, was etwa 150 Euro entspricht, diese waren dann beim Casting nur noch 80 Euro für unbestimmt viele Filmtage (wir haben es nicht verstanden) - ist ja nicht soooo schlecht, wenn man dafür aber die Schule an einem oder zwei Tagen schwänzen muss, sind die Opportunitätskosten zu hoch. Egal, nach dem ersten "Date" versprach man uns, nachdem man uns zweimal den Security Check des Vatikans (Schuhgröße, Name, Alter, Größe, Telefonnummer) durchlaufen ließ, nachdem wir noch einmal Fotos von uns per Mail schicken sollten (was wir taten), uns per Mail zu kontaktieren und den Drehtag zu besprechen. In der Mail mit den Fotos von uns stellten wir noch einmal konkrete Fragen (Wie lange? Wo? Wieviel Geld genau?) und der Spaß blieb natürlich unbeantwortet. Am Drehtag (2 Wochen darauf - ein Sonntag Morgen) klingelt mein Telefon, ich verwechsle die Stimme und den Namen (Wang/Wan) und halte die Frau für meine Lehrerin, die uns zur Vergnügunsparkbesichtigung an der entsprechenden Bahnstation einlädt. Hingefahren, gewartet, gefreut und nach 10 Telefonaten dämmerte es - das ist die Filmtante, woher sollte die denn auch plötzlich Michels Nummer haben und nicht ein Wort mehr Englisch sprechen!?! Wir schrieben eine nette Begründung warum wir nicht kommen und hörten bis auf ein paar mal klingelndes Handy - nichts mehr. Wie hätte die Kommunikation funktionieren können? Vielleicht mit der Antwort auf die E-Mail? Mit einer funktionierenden Terminabsprache (deutlich und am besten Schriftlich) oder indem man serios auftritt und einen nicht eine Stunde im Bus verschleppt, dann in ein Taxi und jeder auch noch selbst bezahlt. Heute dasselbe Spiel, ich komme vom Friseur - im nächsten Absatz mehr dazu - und mein Handy klingelt, der Kung-Fu-Lehrer vom Sonntag (der mit dem Tee und allem) er offerierte uns einen Intensivkurs (12 Einheiten a 2 Stunden) für insgesamt 88 Euro, was wir für zu teuer hielten, noch einmal überlegen wollten, Freunde fragen und sowieso erst auf die E-Mail von ihm warten - in der die Details geklärt werden und in der er sich meldet, um zu sagen wenn er den Kurs auf die Beine stellen kann. Dreimal dürft ihr raten was passiert ist! Genau - es war 17 Uhr, also wir hätten laut ihm eine Stunde zuvor im Dojo stehen sollen und trainieren - schön. Irgendwie hab ich jetzt überhupt keine Lust mehr dort zu trainieren, zumal mein Wushu-Kurs mich gut ausfüllt. Wenn ich jemandem sage ich schreibe ihm eine E-Mail dann tu ich das und ich bin auch meistens pünktlich (wieder eine der typisch deutschen Tugenden, die ich dankenswert annehme und mag), außer heute morgen, den wir vergaßen den Wecker zu stellen, aber das war zum ersten mal in 3 Monaten, dass ich 30 Minuten zu spät kam - schwänzen gibt es bei mir nicht. (artig, nicht wahr?) Ach ja, ich war beim Friseur - todesmutig (nein, nennen wir es experimentierfreudig) begab ich mich mit schulterlangem Haar in den, von der Wohnung, nächstgelegenen Friseursalon (der hat ein lilanes Pinkdrehband vor der Tür stehen - heißt wahrscheinlich: "Friseur: ohne Happy End" (sollten ein paar Menschen verstehen), Massagen werden trotzdem angeboten). Ich wollte meine Haare entweder extrem kurz - also fast Glatze, oder den Wolverine-Hairstyle (bitte googeln, falls man den Herrn "Wolverine" oder "Hugh Jackman" in seiner Paraderolle nicht kennt und von mir ganz doll gemocht werden will) - wobei zweiterer länger als extrem kurz ist, deshalb erst ausprobiert gehört. Ich war bewaffnet mit schulterlangem Haar, ein paar Friseurvokabeln, guter Laune und etwas Geld, wobei mein Limit bei 5 Euro lag. Ich kam herein bekam eine minderhübsche Chinesin zugeteilt, die mir den Kopf massierte, eine Million Liter Schaum in die Haare massierte und wir smaltakten uns durch die anschließende Haarwäsche und Augenmassage - alles kein Ding (ich weiß jetzt auch was Augen schließen heißt). Naja, danach bekam ich einen Chinesen zugeteilt - netter Typ und ich zeigte ihm auch das Foto von Wolverine - Antwort: "Kein Ding - bekommen wir hin.". Er schnippelte an meinen Nackenhaaren herum und dann kam ein anderer Friseurchinese zur Unterstützung mit Lockenwicklern und einem der ihm ebenjene reicht - rennt ja allerhand Personal in so einem Friseursalon herum. Ich lächelte eine Chinesin mit Haaren in komischen Reagenzgläsern an und sie musste prusten - witzig. 20 Lockenwickler im Haar später, kam mein erster männlicher Friseur wieder und erzählte mir ich solle eine Karte kaufen (Wert 2000 Yuan) und kosten wird das gute Teil 560 Yuan und es kann jeder nutzen, alle meine Freunde und so. Fand ich nicht gut und wusste nicht warum ich das machen sollte, den die ausgeschriebenen Preise rangierten ja von 10 Yuan bis 50 Yuan - da könnte ich mir 1000 mal die Haare schneiden lassen und noch lebe ich nicht lebenslang hier. In Deutschland habe ich ja meine Friseuse (oder Friseurin oder Frisörin) des Vertrauens (ganz liebe Grüße Susan) und da klappt alles und ich bin total experimentierfreudig, was man mir desöfteren ansieht (die verschiedenen Frisuren) und noch nicht eine Frisur sah verboten aus. Zurück zur Karte - ich wollte die nicht kaufen, dann bringen die mir Lockengel, das ich kaufen soll - so ungefähr 50 Euro, dann ein billigeres 30 Euro, dann soll ich einen Preis eintippen - umzingelt von 5 Chinesen die mir versichern ich brauche diese Haaradditiva für die Wolverinefrisur - ziehe ich die Notbremse - ich erkläre ich will dann eben ganz ganz kurze Haare, wie ein Kung-Fu-Mönch. 3 Entschuldigungen und 2 leere Akkuhaarschneider später sitze ich hier und schreibe den Text. Ich wünsche einen guten Wochenstart und überrasche Michel, wenn er dann zur Tür hereinschneit mit meiner neuen Frisur oder einem Kung-Fu-Tritt, vielleicht nehme ich diesmal aber doch gleich das erste, dann kommt es zu keinen Missverständnissen, aber auch zu keinen abenteuerlichen Erlebnissen.

Gezeichnet Björn San

Termine mit Chinesen und Friseurbesuche