Los ging's damals ja mit "Manowar" - heutzutage wohl nur noch Karikaturen ihrer selbst, wenn sie es nicht schon damals waren. Ich war damals nur der Grundlagen der englischen Sprache mächtig und verstand auf Anhieb fast die ganzen Texte. Hey - ich war 13 und in der Christenlehre die Kasette von "Louder Than Hell" vom älteren Kumpel zugesteckt zu bekommen, das war schon ein geiles Gefühl. Christenlehre - Cover mit muskelbepackten Hühnen, halb- oder ganznackten Damen, "satanische" Zeichen und Dämonen. Wow. Ich sah mich zwischen vielen netten älteren Männern in einem mehr als überfüllten Stadion stehend, die Hände im Rythmus zum Himmel streckend, den Kopf kreisen. (man höre sich bitte "Brothers Of Metal" an)

Aber nein, mit Manowar wurde ich nicht groß, ich ging nur den ersten Schritt. Ich mag deren alte Scheiben immernoch, aber ab "Warriors Of The World" sah ich die Heroen um Joey De Majo den Glanz verlieren und ich erkannte erstmals (nach etwa 1-jährigem Haarwachstum) die fiesen Scheitel der Jungs. Da flüchtete ich kurzerhand nach Mittelerde und zu den, mir erwachsener erscheinenden "Blind Guardian". Mit denen ging es aber nach dem famosen Singlekauf meinerseits "Mirror, Mirror" (unbedingt anhören) irgendwie auch bergab und die musikalischen Gefilde wurden dunkler und härter. Ich bekam eine Kasette von "Immortal" ("At The Heart Of Winter"), demnach war ich schon 15 Jahre alt, meine ich-trag-jetzt-fast-nur-noch-schwarz-Phase begann, aber die Kasette hab ich nach einmaligem durchhören lieber erstmal weggelegt, diese brutal klirrende Gitarrenmusik mit schrägem Keifen war meinen Ohren und auch Nerven noch nicht gewachsen. Heute liebe ich das Album (hab ja auch gelernt, dass manch eine "harte" Veröffentlichung einige Durchläufe braucht um deren wahre Größe zu erkennen). Mit "Running Wild"-Pullover (von denen ich erst viel später erfuhr, dass da einige Parallelen mit Manowar zu finden sind, wenn der Sänger schon "Rock'n'Rolf" genannt wird oder werden will) ausgestattet wurde ich dann von einem meiner besten Freunde auf etwas aufmerksam gemacht.

"Björn! ..." hat er gesagt, "... gestern hab ich ein Video auf Viva Zwei gesehen, mit so einem Haufen Typen mit roten Anzügen, die total brutale Musik machen, übelst krank, gefällt dir bestimmt."

Das Video sah ich dann auch noch am selben Tag (und trauere bis heute um Viva Zwei)...

Die Rede ist von Slipknot, ja ich bin mit Slipknot groß geworden. - Slipknot -

Ich fand das Video verstörend und cool und die Musik gefiel mir von mal zu mal immer besser. Nach einer aufgezeichneten Spezialsendung von "2-Rock" (ich hab dich geliebt - liebe Sendung und liebes Musikfernsehen) mit dem sehr coolen "Markus Kavka" (dessen Kolumnen in der Zeit, immer wieder einen Blick wert sind) über "Blind Guardian" und der Folge mit dem und dem Musikvideo von Soulfly und besagtem Slipknotstück war es um mich geschehen. Slipknot waren rebellisch und hatten diese markanten Gesangsstellen. Das Slipknotalbum wurde kurzerhand in Schwarzenberg gekauft (was hier erwähnt wird, weil der nächste Plattenladen war 30 Busminuten entfernt!) und die, ich glaube, 15 DM taten mir so weh, weil ich die CD nach dem ersten Durchlauf überhaupt nicht mochte. Nein - das war Krach und es machte Kopfschmerzen. Nach mehrmaligem nebenher-laufen stachen aber ein paar Songs hervor und ich begann diese Songs zu lieben und dann auch das Album im Ganzen. Gute Musik braucht Zeit.

Ich wurde 17 Jahre alt und Slipknot brachten ihr nächstes Album hervor - "Iowa", was für ein Hassbatzen, es war brutaler, es war erwachsener und klang besser und ich war ja auch schon größer und ertrug es. Das Album machte mir Spaß und all der pubertäre Hass und die Schwierigkeiten, die man so haben kann und hatte konnte man prima in die Musik kanalisieren. Wenn das Album dann doch einmal zu brutal für die Party war, wurden dann meine Freunde mit der "Wisconsin Death Trip" (bitte dieses Video gucken) von "Static-X" geqüalt, die war irgendwie massen- (oder Rittersgrün-) kompatibeler, zur Abwechslung lief auch öfters Fred Durst. Trotzdem behaupte ich einmal - war dies eine musikalisch gesehen, sehr engstirnige Phase. Bei mir lief alles, aber es musste tiefer gestimmte Gitarren und im Wechsel Gesang und Geschrei beeinhalten, ich hielt das für ziemlich weltoffen.

Es wurde ruhiger um Slipknot und auch musikalisch tat sich bei mir einiges, denn bis zum 2004er Album "Vol. 3: The Subliminal Verses" veränderte sich einiges.

Ich stieg in die erste "eigene" Band als Sänger/Shouter ein und wir coverten unsere Idole. "Intoxica" war der Name der Stunde und vergiftet durch die eigenen Ideen spielten wir KoRn, Rage Against The Machine, Mudvayne, Slipknot, Megaherz und Coal Chamber (bei letzterem einen Song sogar, oft gehört, besser als diese selbst). Vorher wurde ich aus einer anderen Band "ausgestiegen" [sic], ich hab halt nicht gut (genug) singen können, man fand dort auch jemanden der besser passte...

Die musikalische Öffnung begann, ich hörte "Such A Surge", "Leonard Cohen", "Opeth" und "Fury In The Slaughterhouse" und auch mit Slipknot tat sich etwas, um die Mannen wurde es ruhiger - keine "Pfui! - New Metal!" Schreie mehr und auch der Schreianteil in den Songs ging merklich zurück. Man öffnete sich der Musikwelt und so tat ich es.

Spartendenken fand ich schon immer scheiße, aber ich war selbst gefangen, ich hörte "nur" Metal und Rock. Ich fing an zu rebellieren (ich postete im Metalboard Sachen über Sido und die "Metallern" nicht so gern gesehen/gehörten New-Metalbands). Bei Slipknot interessiert doch auch keinen mehr in welche Musiksparte man die jetzt steckt. Und während ich hier schreibe lief "Radioheads" "OK Computer", "Of Malice And The Magnum Heart" von "Misery Signals", "Sido", "Discipline" und gerade "The Blackout Argument".

2008, (quasi: heute) kam die neue Slipknot-Scheibe "All Hope Is Gone" raus und ich denke ein/zwei oder drei Lieder könnten sogar meiner Mama gefallen. Und das ist kein Spaß und durchaus ein Kompliment an die Jungs. Alle Hoffnung sehe ich auch verloren für die Szenepolizei im Hardcorebereich, da bin ich bei einem "Born From Pain" Konzert gefragt worden, ob ich mich mit meinem "In Flames" T-Shirt über die Leute lustig machen möchte. "Walls Of Jericho" sind in Deutschland irgendwie Oldschool-Hardcore, die sehen das selbst aber anders, manch einer verunglimpft die EP (Igitt: Gesang, wie Newschool!) und hört die dann doch heimlich, um die Freundin der Szene oder der Musik näherzubringen. "Hatebreed" sind in Johanngeorgenstadt auch total Oldschool und wehe eine Band hat etwas was man als Metaleinflüsse deuten könnte (man kann sich aber erfolgreich argumentierend als Oldschoolkapelle verkaufen).

Es ist doch egal welche Sparte, welcher Stil, welche Klamotten, welches Aussehen - man sollte für etwas brennen, in diesem Fall für die Musik...

The band that I grew up with...